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  • Eine Woche Ramsau im Zillertal 2026

    Eine Woche Ramsau im Zillertal 2026

    Tageshöchst- und Tiefsttemperaturen vom 1. bis 7. August 2026 in Ramsau im Zillertal

    Sieben Tage Zillertal, Ferienwohnung am Hang über Ramsau, mit Blick talauswärts Richtung Mayrhofen. Hier schreibe ich Tag für Tag mit, was wir gesehen und gemacht haben.

    Tag 1 – Anreise nach Ramsau

    Auf dem letzten Stück Richtung Österreich fällt die Anzeige im Auto von 30 auf 19 Grad. Wir fahren durch ein Regengebiet, und über dem Zillertal steht in der Wetter-App eine lilafarbene Fläche, genau da, wo wir hinwollen. Zu sehen beim Fahren war trotzdem genug, kritisch wurde es nicht.

    Losgefahren sind wir um zehn, wie geplant. Mit Stau gerechnet hatten wir an drei Stellen: bei Erlangen und Nürnberg, dann bei Ingolstadt und schließlich um München herum. Gestanden haben wir an keiner davon, nur zwischendurch zäher Verkehr. Kurios war die Gegenrichtung: Richtung Norden Stau, obwohl in Bayern und Baden-Württemberg gerade die Ferien angefangen haben. Ich hätte es genau andersherum erwartet.

    Im Ort sehen wir das Haus schon von unten, links oben am Hang. Der Weg hinauf ist eine schmale Straße mit Ausweichbuchten für Gegenverkehr, steil zum Tal hin und ohne Leitplanke. Wenn man das nicht jeden Tag fährt, fährt man hier echt langsam.

    Um halb vier sind wir da. Das Ferienhaus hat mehrere Wohnungen, die Garage liegt im Gebäude. Die Wohnung ist seit Dezember 2025 fertig, entsprechend neu ist alles, mit viel Fensterfläche. Die Familie betreibt ein eigenes Architekturbüro, und das sieht man dem Haus an. Vom Balkon geht der Blick über das Tal, nach links Richtung Mayrhofen, gegenüber Berge und Almen.

    Am Abend zieht der Regen ab, es bleibt leicht bewölkt. Genug für einen Spaziergang am Hang entlang, den befestigten Weg hoch, vorbei an den Bauernhöfen, in die man von der Straße aus sehr leicht hineinschauen kann.

    Tag 2 – Zum Keilkellerwasserfall

    Am Einstieg steht ein Schild: zwanzig Minuten bis zum Wasserfall. Die kann man vergessen. Wir haben deutlich länger gebraucht, und das lag nicht daran, dass wir getrödelt hätten.

    Los geht es am Parkplatz in Schwendau, kostenfrei. Zuerst ein Stück geteerte Straße mit leichtem Anstieg bis zur Brücke über den Horbergbach, dahinter beginnt der Wald. Es war wärmer als erwartet, wir hatten Rucksäcke dabei, und nach den ersten Minuten im Anstieg waren wir durchgeschwitzt.

    Was auf dem Schild nicht steht: Der Weg ist streckenweise richtig steil, an manchen Stellen rutschig, obwohl es nicht geregnet hatte. Über den Pfad ziehen sich herausstehende Wurzeln, dazu kommen Stufen, die einen ordentlichen Schritt nach oben verlangen. Bänke gibt es unterwegs ein paar.

    Weiter oben wird der Weg mehrfach schmal. Auf der rechten Seite gibt es beim Aufstieg ein Seil, an dem man sich festhalten kann — zur Hangseite links hin ist nichts, und dort geht es steil hinunter. Wer mit Kreislauf, Gleichgewicht oder der Koordination beim Gehen zu tun hat, sollte diese Runde auslassen. Der Weg ist anspruchsvoller, als er beschrieben wird.

    Davon abgesehen ist es ein schöner Weg. Streckenweise sieht es aus wie im Märchenwald, man läuft fast durchgehend im Schatten, und immer wieder kommt man an Stellen vorbei, an denen man die Füße ins kalte Bergwasser halten kann. Viel los war nicht: Auf dem Weg nach oben sind uns vielleicht zehn Wanderer entgegengekommen, auf dem Rückweg waren noch drei oder vier im Aufstieg.

    Der Wasserfall selbst ist die Mühe wert. Er liegt eingebettet in eine Schlucht, und wenn man unten steht, wo das Wasser aufschlägt, steigt die Gischt hoch und legt sich auf Haut und Kleidung. Bei diesen Temperaturen war das genau richtig.

    Vom Wasserfall führt links noch ein kurzes Stück hinüber zum Aussichtspunkt. Von dort geht der Blick über das Tal bis nach Mayrhofen, und unterhalb liegt die Horbergbachverbauung, die zwischen 2011 und 2017 entstanden ist. Über uns waren Paragleiter unterwegs, die unweit von hier auf einer Wiese starteten, um unten im Tal zu landen — es waren so viele, dass wir eine ganze Weile nur nach oben geschaut haben.

    Der Rückweg ist angenehmer, verlangt aber Aufmerksamkeit: Im Gefälle bleibt man leicht im Wurzelwerk hängen. Auf halber Höhe haben wir noch einmal Halt gemacht, an einer Stelle, wo das Wasser über den Fels läuft, und die Füße hineingehalten.

    Zum Keilkellerwasserfall und zurück: 4,34 km, 228 Höhenmeter, reine Gehzeit knapp 1:40 h, unterwegs mit Pausen rund 2:35 h. Start am Parkplatz in Schwendau. Der Wasserfall ist Station 6d des Schwendauer Pfads.

    Danach ging es zurück in die Wohnung BLÄKAT, was soviel wie „Ruhe“ heißt — und weiter zur Erlebnissennerei. Die ist groß und schön angelegt, und ein Besuch lohnt sich. Im Laden gibt es Butter, Eier, verschiedene Käsesorten und Wurst, dazu Getränke und alles was mit Milchprodukten im Zusammenhang steht. Es gibt zusätzlich typische Holzwaren wie Schneidebretter, Schalen und Bestecke. Nebenan ist ein Restaurant: Mittag essen, Eis, Kaffee, Bier, alles was Herz begehrt. Auch den Kaiserschmarrn, den viele so lieben.

    Tag 3 – 6 Stunden Mayrhofen bei 34 Grad

    Zehn Euro für sechs Stunden im Parkhaus, die erste Stunde davon kostenfrei, und das Auto steht im Schatten. Das ausgeschilderte Parkhaus in Mayrhofen war die unkomplizierteste Entscheidung des Tages. Wenn die erste Ebene voll ist, geht es noch eine tiefer, Platz gab es reichlich.

    Davor: ausschlafen, in Ruhe frühstücken, kein Zeitplan. Wir sind dann runter nach Mayrhofen und haben uns die Geschäfte angesehen, die eine oder andere Kleinigkeit gekauft und uns sonst treiben lassen. Sechs Stunden sind so zusammengekommen, ohne dass es sich lang angefühlt hätte.

    Dass der Ort vom Tourismus lebt, sieht man sofort, und vor allem vom Winter. Ein Sportladen nach dem anderen, Skiausrüstungen im August. Dazwischen Cafés und Restaurants, an denen nichts lieblos wirkt. Was mir hier am besten gefällt, ist trotzdem die Lage — die Hänge stehen ringsum, egal wohin man schaut.

    Beim Essen kann man wenig falsch machen. Ich glaube nicht, dass sich an der Meile, über die alle laufen, ein Restaurant mit schlechter Qualität lange halten würde. Worauf man aber achten sollte: Zwischen zwölf und vierzehn Uhr machen die meisten Restaurants zu, teilweise auch die Läden. Wer zur falschen Zeit hungrig wird, steht erst mal vor verschlossenen Türen.

    Am späten Nachmittag wieder zurück ins Parkhaus, ins Untergeschoss, wo es nur wenig kühler war als an der Oberfläche.

    Tag 4 – Spieljoch: Gipfelkreuz, Kaiserschmarrn und eine Staubwolke

    Am Ende des Tages sah ich aus, als hätte ich eine Schicht auf der Baustelle hinter mir. Dreck im Gesicht, Staub am Hals, an den Händen, an den Beinen, die Klamotten grau. Dabei hatte der Tag ganz harmlos angefangen, mit einer Gondelfahrt.

    Um halb elf standen wir an der Kasse der Talstation in Fügen. Oben auf knapp 1.900 Metern schaust du über das halbe Inntal. Neben dir starten die Paragleiter, unterhalb der Bergstation liegt ein Wasserspielpark, an dem sich Kinder stundenlang aufhalten können. Wir sind stattdessen los, den Rundweg über das Gipfelkreuz und die Geols Alm, gut viereinhalb Kilometer und rund 200 Höhenmeter. Erst der Anstieg zum Kreuz, dann ein Stück bergab zur Alm.

    Die Geols Alm liegt auf 1.774 Metern, und dort gab es Kaiserschmarrn mit Apfelmus in der Pfanne. Gleich um die Ecke steht ein altes Almhaus, an dessen Fassade eine ganze Reihe alter Milchkannen aufgereiht ist, darüber blaue Fensterläden und rote Geranien. Zurück sind wir nicht den steilen Normalweg gegangen, sondern links an der Hütte vorbei. Der ganze Weg ist sauber, nirgends liegt Müll herum.

    Um Viertel nach drei war der Termin für die Mountaincarts. Eine halbe Stunde vorher am Infostand melden, Haftungsausschluss ausfüllen und unterschreiben, dann kommt die Einweisung. Wir waren etwa zwanzig Fahrer, dazu noch mal zehn auf den Fatrollern mit den dicken Reifen. Sechseinhalb Kilometer bergab, und du wirst deutlich schneller, als du denkst. Was mir den Spaß gekostet hat, war der Staub. Bei der Trockenheit fährst du auf der Schotterpiste komplett in der Wolke des Vordermanns, siehst nichts, hast das Zeug in den Augen und zwischen den Zähnen. Ich habe mir bei einem der Guides eine Brille geliehen, die haben welche dabei. Erst die letzten zweihundert Meter zur Mittelstation gehen über Teer, da wird es schlagartig ruhig und sauber. Unten an der Talstation haben wir uns auf dem WC erst mal Gesicht, Arme und Beine gewaschen und den Mund ausgespült.

    Danach ein Eis vom italienischen Wagen an der Talstation und ein Abstecher in die Sennerei, keine siebenhundert Meter entfernt. Zwei Butterblöcke à anderthalb Kilo und verschiedene Käse, darunter ein zwölf Wochen gereifter Emmentaler, der mit dem, was im Supermarkt in Scheiben liegt, wenig gemein hat. Gerechnet auf das Kilo war die Butter günstiger als bei uns die Fassbutter.

    Praktisches: Die Bergbahn kostet 34 Euro pro Person für Berg- und Talfahrt. Das Mountaincart kommt mit 33 Euro pro Person obendrauf, das Bahnticket brauchst du trotzdem. Reservieren musst du vorher online, spontan mitfahren geht nicht. Bei der Buchung wird die Körpergröße abgefragt, danach werden Cart und Helm passend vorbereitet. Kleinere Kinder saßen bei Mutter oder Vater auf dem Schoß, das schien niemanden zu stören. Zieh nichts an, was dir lieb ist. Der Parkplatz kostet fünf Euro am Tag, aber wenn du am Automaten den Barcode deines Bahntickets vor den Scanner hältst, zahlst du nichts. Und noch ein Hinweis: Der erste, gut ausgeschilderte Parkplatz links am Berg war komplett voll, während gegenüber hinter dem Sportgeschäft ein zweiter, zurückgesetzter Parkplatz fast leer stand. Den sieht man von der Straße aus nicht.

    Im Tal zeigte das Auto am späten Nachmittag 38 Grad. Oben auf dem Berg waren es vielleicht fünf weniger, und selbst das war noch reichlich. Abends in der Wohnung blieb die Balkontür zu, und die Wäsche war nach dem Durchwaschen unter der Dusche schneller trocken als sonst in zwei Tagen.

    Tag 5 – Ein Kühlschrank aus Bachwasser: zu Fuß am Zillergründl

    Gleich am Taleingang steht die erste Schranke. Ein Mann tritt ans Fenster, kassiert fünfzehn Euro und hebt den Schlagbaum. Das gilt für die Einfahrt und für die Ausfahrt am selben Tag, bezahlt wird nur einmal. Danach geht es eine ganze Weile durchs Tal, vorbei an vielen Engstellen, an denen man gleichzeitig auf Gegenverkehr, Radfahrer und die Busse achten muss, die im Halbstundentakt hoch und runter pendeln.

    Ganz oben endet die Straße an der zweiten Schranke. Dahinter kommen nur noch Radfahrer durch und die Busfahrer, die den Schlagbaum vom Sitz aus öffnen. Davor ist Platz für etwa zehn Autos, alle besetzt. Wir bekommen eine Lücke, weil gerade jemand herausfährt. Sonst hätten wir ein Stück zurückfahren müssen, auf den größeren Parkplatz, und die letzten fünfzig Meter wieder hochlaufen, denn die Haltestelle ist oben an der Schranke. Nach einer Viertelstunde kommt der Bus, 24,50 Euro für vier Erwachsene hin und zurück, gut sechs Euro pro Person.

    Die Fahrt hinauf geht an Almen vorbei, Kühe stehen direkt neben der Fahrbahn. Auf den letzten Metern verschwindet der Bus in einem Tunnel, und wenn er wieder herauskommt, steht man neben der Staumauer. 186 Meter hoch, 502 Meter lang auf der Krone, oben sechs Meter breit, unten sechsunddreißig, gebaut zwischen 1981 und 1986. Dahinter stehen 89,5 Millionen Kubikmeter Wasser auf 1.850 Metern, an der tiefsten Stelle sind es wieder 186 Meter. Von dort läuft das Wasser durch einen Stollen zum Kraftwerk Häusling hinunter, 744 Meter Fallhöhe.

    Gleich hinter der Mauer beginnt ein zweiter Tunnel, dieser nur für Fußgänger, und der ist bei so einem Tag die halbe Miete. Rund vierhundert Meter lang, gut ausgeleuchtet und so großzügig gebaut, dass Baumaschinen hindurchpassen. Draußen steht die Sonne auf dem Hang, drinnen wird es nach wenigen Schritten spürbar kühl. Ein Thermometer hatten wir nicht dabei, aber den Unterschied merkt man auf der Haut.

    Der Weg dahinter wird als Höhenweg beschrieben, der auf einer Höhe bleibt. Stimmt nicht. Es geht hoch und runter, ein paar Rampen sind ordentlich steil. Kinderwagen sieht man trotzdem. Hin und zurück sind es 9,4 Kilometer und 228 Höhenmeter. Hängengeblieben sind mir die Bänke: Jede hat ihren eigenen Namen. An den Felsen daneben hängen Schilder mit Sprüchen, über Dankbarkeit und darüber, was im Leben zählt. Dazwischen kommen Wasserfälle vom Gletscher herunter und laufen direkt in den See. Wer sich dort hinstellt, hat für ein paar Meter die kühlste Luft der ganzen Strecke.

    Am Talschluss liegt die Hohenau Alm auf 1.863 Metern, die sich Klein Tibet des Zillertals nennt. Fünf Fahnen auf einem Steinhaufen, davor der Schriftzug, unterwegs immer wieder Gebetsfahnen über dem Weg, oben stehen Gebetsmühlen. Betrieben wird die Alm von einer Familie, die unten in Uderns einen Hof hat und bei der die Kinder mitarbeiten. Fleisch, Brot, Käse und Milch kommen von diesem Hof.

    Man sitzt in Nischen zwischen den Felsblöcken, jede mit Bank, Tisch und Schirm. Kühe, Schweine und Hühner laufen frei herum. Unterhalb der Alm läuft der Bach durch, dort kann man die Füße reinhalten, und die Kinder haben Platz zum Spielen.

    An unserem Tag war Selbstbedienung: Tischnummer merken, drinnen in der Hütte bestellen. Frankfurter mit Senf sieben Euro, Käseteller 12,50, hausgemachter Nudelsalat 13,50, alles mit eigenem Bauernbrot. Bier 5,50, Milch aus dem Zillergrund 3,50. Am besten gefallen hat mir die Getränkekühlung. Eine lange Holzrinne, in der die Kisten stehen, oben läuft ein Schlauch mit Bachwasser hinein, unten wieder heraus. Kein Strom, kein Kompressor. Man nimmt sich, was man möchte, und bezahlt drinnen.

    Der Rückweg war der anstrengendste Teil des Tages. Sobald der Weg die Wasserfälle und die schattigen Stücke hinter sich lässt, merkt man, wie stark sich der Hang aufgeheizt hat. Auf den Tunnel habe ich mich schon von weitem gefreut. Danach sind wir nicht gleich in den nächsten Bus gestiegen, sondern noch einmal über die Mauer gelaufen. Von der Krone sieht man auf der einen Seite den See und auf der anderen 186 Meter senkrecht nach unten, dazu die Serpentinen, auf denen der Bus heraufkommt.

    Auf halber Strecke im Tal haben wir noch einmal angehalten. Ein paar Kühe standen direkt an der Straße und haben sich beim Wiederkäuen nicht weiter stören lassen.

    Tag 6 — Schwaz

    Kurz nach zwölf sind wir in Schwaz angekommen. Die Fahrt aus dem Tal heraus dauerte länger als gedacht, weil sich der Verkehr streckenweise staute. Schwaz liegt nämlich gar nicht mehr im Zillertal, sondern unten am Inn im Unterinntal — es ist die Bezirkshauptstadt des Bezirks Schwaz, zu dem das Zillertal verwaltungstechnisch gehört. Daher der Name, aber es ist ein Ausflug aus dem Tal hinaus. Geparkt haben wir im ersten Parkhaus, direkt unter der Galerie. Als Einkaufszentrum ist die überschaubar: zwei kleinere Restaurants für Getränke und Snacks, sonst wenig, was einen aufhält.

    Von dort ist es ein kurzes Stück in die Altstadt, und die ist genauso überschaubar. Fast alles liegt auf gerader Linie zur Pfarrkirche.

    Die Kirche ist der Grund, warum man herkommt. Innen der klassische Aufbau, Bänke Richtung Altar, im Rücken die Empore mit der großen Orgel. Was auffällt, sind die Säulenreihen, die den Raum gleich in vier Schiffe teilen, und der Steinboden, stellenweise so ausgetreten, dass man sieht, wie lange hier schon Leute durchlaufen.

    Gleich daneben der Kreuzgang des Franziskanerklosters. Spitzbögen, Efeu über den Mauern, ein Innenhof mit Rasen. Zwanzig Meter von der Straße entfernt und trotzdem still. Ähnlich das Fuggerhaus mit seinen drei Etagen Arkaden und den Blumenkästen, komplett zugewachsen. Oben am Hang steht Schloss Freundsberg über der Stadt.

    Auf dem Rückweg zum Parkhaus sind wir noch in den Kolonialwaren gegangen, einen kleinen Laden mit einem Sortiment, das man hier nicht erwartet: hochwertige Matcha-Tees, Gewürze, Sardinen in Olivenöl aus Frankreich und Portugal, kleine eingelegte Forellen aus Österreich. Kartenzahlung geht dort nicht, der Empfang für das Lesegerät bricht immer wieder ab. Also Bargeld mitnehmen. Wir haben gestöbert und uns mit der Besitzerin unterhalten, und das war die Viertelstunde wert.

    Was fehlt: ein urig-gemütliches Café, weinbewachsen oder mit Grünpflanzen abgetrennt, wo man sich hinsetzen und die Stadt anschauen kann. Nach knapp zwei Stunden und 2,26 Kilometern waren wir durch. Kurz vor zwei zurück am Auto, auf dem Rückweg noch ein Stopp in der Bergkäserei Zillertal, und dabei fing es leicht an zu regnen. Auf der Fahrt zur Wohnung wurde daraus ein Guss, bei dem die Scheibenwischer nicht mehr hinterherkamen.

    Tag 7 — Bauernmarkt, Sommerrodelbahn und der Ahorn im Regen

    Freitagvormittag, kurz nach halb elf, standen wir auf dem Zillertaler Bauernmarkt in Mayrhofen. Der Markt ist klein, die Stände sind bunt gemischt: selbstgemachte Seifen, Obstbrände, Holzbrettchen und Holzlöffel, Fruchtaufstriche, Weine, Käse, Wurst, selbstgefertigter Schmuck. Ich kaufe Lebensmittel gern direkt beim Erzeuger. Nicht wegen des Preises, sondern wegen der zwei Minuten Gespräch und der Geschichte, die zum Produkt gehört. Klare Empfehlung, wenn ihr freitags im Tal seid.

    Die Einkäufe haben wir im Parkhaus Mitte deponiert und sind danach noch durch den Ort gebummelt, mit einem Espresso und einem Tiramisu als Abschluss. Mayrhofen ist ein seltsamer Ort, wenn man die Zahlen kennt: knapp 4.000 Einwohner, und je nach Zählweise zwischen 1,3 und 2,1 Millionen Übernachtungen im Jahr. Das merkt man dem Ortsbild an. Ein Bergdorf ist das längst nicht mehr.

    Nachmittags sind wir zum Arena Coaster gefahren, der Sommerrodelbahn an der Talstation der Rosenalmbahn in Zell am Ziller, rund acht Kilometer von Ramsau. Ab den Schließfächern haben wir gut eine Stunde angestanden, es ging nur schleppend voran. Wer also überlegt, gleich einen Fünferblock zu kaufen: Man stellt sich vor jeder Fahrt neu an. Die Abfahrt selbst fühlte sich nach fünf Minuten an, der Aushang nennt sechs bis sieben. 1.450 Meter Gesamtlänge, 140 Höhenmeter, an der höchsten Stelle neun Meter über dem Boden. Eine Einzelfahrt kostet acht Euro für Erwachsene und 5,30 für Kinder.

    Kaum waren wir unten, fing es an zu regnen. Auf der Rückfahrt nach Ramsau wurde daraus ein Gewitter, im Tal hing der Nebel so tief, dass vom Ahorn nichts mehr zu sehen war. Und genau da wollten wir um 18 Uhr hoch, mit der SonnenUntergangsGondel.

    Wir sind trotzdem gefahren, und das war die richtige Entscheidung. Die Tickets gibt es online, sie sind rund zehn Euro günstiger als die reguläre Auffahrt: 25 Euro pro Person für Berg- und Talfahrt. Der Parkplatz liegt direkt an der Talstation, an diesem Abend war er fast leer. Die Ahornbahn ist die größte Pendelbahn Österreichs, 160 Personen passen in eine Kabine, 40 Quadratmeter Grundfläche. Sie überwindet 1.300 Höhenmeter auf 3.045 Metern schräger Länge, mit zehn Metern pro Sekunde, in gut sechseinhalb Minuten. Und auf dieser ganzen Strecke stehen nur zwei Stützen. Man schwebt aus der Talstation heraus, und dann ist unter einem sehr lange nichts mehr. Technisch ein Meisterwerk.

    Oben, auf knapp 2.000 Metern unterhalb der 2.973 Meter hohen Ahornspitze, waren außer uns zwei Familien. Sonst niemand. Die Wirtschaften hatten schon geschlossen. Die Kühe waren gut zu hören, die Glocken kamen von irgendwo aus dem Nebel, dazu nieselte es zwischendurch. Klingt nach einem verpatzten Abend, war aber das Gegenteil: Den Blick einmal ganz ohne Menschenmassen über das Tal schweifen zu lassen, ist etwas, das man bei schönem Wetter dort oben nie bekommt.

    Die GreifenBrücke ist neu, die stand vor vier Jahren bei unserem letzten Besuch noch nicht da. Über 70 Meter lang, und an diesem Abend gehörte sie uns allein.

    Mayrhofen war unten im Tal gut zu erkennen, klein und geordnet zwischen den Hängen. Und dann hat der Himmel am Horizont doch noch aufgemacht, gerade so weit, dass man die Sonne erahnen konnte. Ein gelber Streifen über den Bergkämmen, mehr nicht. Genug, um sich vorzustellen, wie das hier bei klarer Sicht aussieht.

    Wenn ihr das auch vorhabt: kurzfristig buchen. Bei gutem Wetter ist es dort oben noch einmal deutlich beeindruckender, und zwei, drei Tage vorher weiß man, ob sich das ausgeht.