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  • Zwölf Tage östliches Mittelmeer: von Antalya über Istanbul bis Rhodos

    Zwölf Tage östliches Mittelmeer: von Antalya über Istanbul bis Rhodos

    Tag 1 — Antalya

    Anreise: Zuhause, Hotel am Flughafen Frankfurt, Flug nach Antalya, an Bord

    Am Samstag sind wir nach Frankfurt gefahren und haben im Hotel am Flughafen übernachtet. Vier Stunden vorher sollten wir laut SunExpress am Flughafen sein, für einen Flug in die Türkei. Totaler Quatsch, das braucht man im Leben nicht. In Frankfurt standen wir dann in Terminal 1, das Abfluggate wurde immer noch nicht angezeigt, und wir wussten nicht, in welcher Halle und an welchem Schalter wir das Gepäck abgeben sollen. Wer zu früh da ist, steht einfach nur rum.

    Noch ein Hinweis für alle, die am Terminal 1 parken: In Parkhaus 1 waren die Einfahrten im vorderen Bereich grün angezeigt und trotzdem komplett belegt. Wer dort einmal drin ist, muss wieder ganz raus. Uns hat zum Glück eine Frau, der genau das passiert war, gesagt, wir sollen bis zum Ende durchfahren. Vielleicht ist man mit Parkhaus 2 oder 3 besser dran.

    In Antalya haben wir über eine Stunde am Gepäckband gewartet, bis die Koffer kamen. Auf dem Band liefen mehrere Flüge durcheinander. Vor dem Flughafen war viel los, Bus an Bus, die die Touristen einsammelten. Bis zum Schiff waren es etwa 40 Minuten Fahrt.

    Unterwegs ging die Sonne hinter dem Taurusgebirge unter. Vom Gebirge war nur noch die Silhouette zu sehen, weil das Licht dahinter stand. An der Straße viereckige Häuser, jede Wohneinheit mit eigener Satellitenschüssel, und auf den Dächern Wassertanks, wie man sie aus Spanien oder von den Kanaren kennt. Darin wird das Wasser erwärmt. Ob das Energie sparen soll oder ob das Stromnetz nicht reicht, weiß ich nicht.

    Abgelegt haben wir pünktlich um 22 Uhr. Wir waren vorher noch essen und haben das Auslaufen mitverfolgt. Die Temperaturen sind um die Zeit noch sehr angenehm. Morgen sind wir in Marmaris.

    Tag 2 — Marmaris

    Pünktlich um 10 Uhr lagen wir am Pier. Die Einfahrt in die Bucht hatte etwas von zwei Tagen in einem: Auf der einen Seite die bewaldete Insel unter blauem Himmel, auf der anderen dunkle Wolken über den Bergen, mit dem kleinen Leuchtturm an der Spitze. Beide Fotos sind im selben Moment entstanden, einmal mit der Sonne, einmal gegen sie.

    Vom Schiff aus könnte das Städtchen genauso gut an der Adria in Kroatien liegen. Was sofort auffällt, sind die Yachten. Laut Kapitän machen hier so viele fest, weil die Buchten geschützt liegen. Von oben, vom Deck eines Kreuzfahrtschiffs, sieht man sie dann eine neben der anderen. Der Kapitän sagte auch, das Wasser habe 26 Grad, zwei bis drei Grad mehr als die Luft. Einen richtigen Sandstrand hat Marmaris allerdings nicht, nur einen mit Steinen, so heißt es.

    Ich war zuletzt 1995 hier, glaube ich. Viele Erinnerungen habe ich nicht mehr. Für 12 Uhr war ein Regengebiet angesagt, also sind wir zügig von Bord. Wer in die Altstadt will, hält sich einfach immer links. Zuerst führt der Weg zwangsläufig durch ein Einkaufsviertel. Ich hatte es mir unattraktiver vorgestellt, die Läden sind gut sortiert.

    In der Altstadt lohnt sich ein Laden mit Lokum. Die Sorten liegen im Schaufenster aus, drinnen probiert man und stellt sich seinen Karton selbst zusammen, in verschiedenen Größen, wenn man nicht die fertig abgepackten will. Es schmeckt sehr gut und ist nicht teuer.

    Zurück ging es an der Mole entlang, wo die Yachten liegen. Auf der gegenüberliegenden Seite reiht sich ein Café an das nächste. Ob auf dem Hin- oder Rückweg: Hier lohnt es sich, einmal einzukehren.

    Einige Cafés haben eine Dachterrasse mit Blick in den Hafen. Das Ottoman Roof zum Beispiel schaut direkt auf die Yachten und auf die AIDAstella. Wir waren nicht oben, aber wer Zeit hat, sollte es versuchen.

    Der Regen kam mittags nicht. Um 15:30 Uhr waren wir wieder an Bord, der Himmel zog zu, die App kündigte Gewitter an. Gegen 16 Uhr nieselte es eine knappe Dreiviertelstunde, dann war es vorbei. Am Abend zeigte die App immer noch Regen, draußen schien die Sonne.

    Um 20 Uhr hieß es Sail Away. Morgen ist Seetag.

    Tag 3 — Seetag

    Seetag: Außentemperatur und Geschwindigkeit

    Tag 4 — Izmir

    Aus unserer Kabine auf der Steuerbordseite sah man heute nur den Industriehafen. In Marmaris hatte uns dieselbe Seite noch den Blick auf die Stadt gebracht. Auf der anderen Seite lag gleich das nächste Kreuzfahrtschiff. Der Himmel war bedeckt, über den höheren Lagen hing Dunst, und die meisten gingen mit Regenjacken von Bord.

    Vom Liegeplatz bis ins eigentliche Zentrum von Izmir sind es zu Fuß rund 50 Minuten. Wir haben uns deshalb nur das Händlerviertel in der Nähe vorgenommen, mit niedrigen Erwartungen und etwa anderthalb bis zwei Stunden Zeit.

    Schon der Weg dorthin ist nicht schön. Es wird viel gebaut, schöne Architektur ist nicht dabei, die Fassaden hängen voller Klimaanlagen. Das Händlerviertel selbst ist eine einzige Baustelle, ohne Absperrung, Gullydeckel liegen kreuz und quer.

    Die Leute sitzen draußen, essen und trinken ihren Tee, während direkt daneben Granitsteine geschnitten werden. Erstaunlich, was alles nebeneinander geht. Überall standen Pfützen, es muss vorher kräftig geregnet haben. Bei uns blieb es trocken, obwohl es jederzeit danach aussah.

    Ein paar kleine historische Häuser gibt es, eingeklemmt zwischen Betonbauten, die selbst schon wie Ruinen aussehen. Vor einem, vermutlich historischen, Gebäude stützt ein Stahlgitter die Fassade.

    Die Uferpromenade, die man sich als Flaniermeile vorstellt, besteht aus Beton. Die Begrenzungen blättern ab, die Fugen zwischen den Steinen sind ausgespült, die Pflanzen vertrocknet. Groß ist nur der Blick über die Bucht: Die Stadt zieht sich über die Hügel, hohe Häuser bis hinauf an die Bergkämme.

    Beim Essen und beim Flair einer Stadt bin ich normalerweise nicht empfindlich. Aber für mich ist Izmir eine Negativstadt, zumindest der Teil, den wir gesehen haben. Schlechte Architektur, Lokale, die nicht einladen, Dreck und Lärm. So etwas Unattraktives habe ich lange nicht gesehen. Wir sind wieder an Bord gegangen. Dort ist die Versorgung deutlich besser.

    Am Nachmittag fing es dann doch an zu regnen. Um 17 Uhr hieß es Sail Away.

    Tag 5 — Istanbul

    Drei Schlepper mussten die AIDAstella gegen den Wind an die Pier drücken, damit sie festmachen konnte. Diesmal liegt unsere Steuerbordseite zur Bucht, und aus der Kabine sehen wir die Hagia Sophia und die Blaue Moschee. Nach Izmir gestern ist das schon vom Bild her ein anderer Tag.

    Von Bord durften wir erst um 15 Uhr, so lange hat die Freigabe durch die örtlichen Behörden gedauert. Alle Ausflüge haben sich entsprechend verschoben, wir hatten keinen gebucht. Das Kreuzfahrtterminal ist laut Kapitän neu und erinnert eher an einen Flughafen. Man läuft ewig durch Gänge wie Katakomben, erst 400 Meter in die eine Richtung, dann 400 Meter in die andere, alles zu Fuß. Weil nicht alles dicht ist, stehen nach dem Regen überall Eimer und große Tonnen, die das Wasser auffangen.

    Gestern muss es hier heftig geregnet haben. Man sieht noch die Reste der Maßnahmen gegen Hochwasser, hier und da werden Keller leer gepumpt. Wären wir einen Tag früher gekommen, hätten wir das Schiff wohl nicht verlassen können. Erstaunlich, wie schnell der Betrieb trotzdem wieder läuft.

    Gleich hinter dem Terminal reihen sich die Cafés, und man wird angesprochen, wie in Italien oder Spanien auch. Über die Galatabrücke ging es zum Basar, vom Schiff aus zügig zu Fuß etwa 35 Minuten. Von der Brücke aus sieht man überall Moscheen mit ihren Minaretten, eine dichter an der anderen.

    Wer nach der Brücke links hinuntergeht, findet viele Restaurants und hat die AIDA am Pier im Blick.

    Ich hatte gedacht, im Großen Basar gibt es ein System, eine Gasse Gold, eine Silber, eine Taschen, eine Kleidung. Gibt es nicht. Kleidung, Süßigkeiten, wieder Kleidung, alles wiederholt sich, und Schilder zur Orientierung fehlen. Weil es mehrere Ein- und Ausgänge gibt, markiert euch beim Reingehen den Standort im Handy. Sonst findet ihr die Stelle, an der ihr raus müsst, nicht wieder.

    Günstig ist der Basar nicht, zumindest nicht bei allem, was man isst und trinkt. Lokum kostet ungefähr 60 Euro das Kilo, schmeckt aber sehr gut. Im selben Laden gibt es Apfeltee aus getrockneten Apfelstücken. Die bunten türkischen Lampen darf man nicht überall fotografieren. Mir hat es ein Ladenbesitzer untersagt, das Foto hier ist mit Erlaubnis entstanden.

    Eingekehrt sind wir im Şark Kahvesi. Ich hatte den Damla Sakızlı Türk Kahvesi, türkischen Kaffee mit Mastix. Man schmeckt das Harz, aber nicht unangenehm, er war wirklich lecker. Die kleine Tasse kostet 480 Lira, rund 8,70 Euro.

    Eine Handtasche, natürlich keine Originalware, sollte 40 Euro kosten. Zehn Sekunden später war der Händler bei 30, ohne dass wir verhandelt hätten. Mit Karte zahlen kann man überall. Den zusätzlichen Nachlass gibt es aber nur bei Barzahlung, und man braucht Zeit. Wer es eilig hat, zahlt trotzdem zu viel.

    Am späten Donnerstagnachmittag bauten im Außenbereich die ersten Händler schon ab. Mit langen Stangen holten sie die Kleidung herunter und stopften alles in große Plastiksäcke, andere hatten noch offen. Nach welchem System, weiß ich nicht.

    Abends, bei der Lichterfahrt von AIDA, standen wir vor der Blauen Moschee. Unter diesem Namen kennt man sie international, Einheimische können damit nichts anfangen, für sie ist es die Sultan-Ahmed-Moschee. Sie liegt der Hagia Sophia genau gegenüber. Die Hagia Sophia wurde 537 als Kirche geweiht, die Osmanen haben Minarette dazugesetzt und eine Moschee daraus gemacht. Die Blaue Moschee wurde 1616 fertig, 1079 Jahre später. Ein Foto habe ich nicht gemacht, das LED-Licht ist auf dem Bild zu grell. Morgen haben wir eine Führung, dann bei Tageslicht.

    Abschluss der Tour war der Taksim-Platz. Dort sind sehr viele Menschen unterwegs, und auffallend viel Militär und Polizei, die Touristenpolizei steht eigentlich an jeder Ecke. Unser Reiseführer erklärte, dass sich in diesem Teil der Stadt Clans breitmachen, die es auf Touristen abgesehen haben, auf Handys und Handtaschen. Mehr sagte er dazu nicht. Mit der großen Kamera und dem dicken Rucksack läuft man hier besser nicht herum. Die Fußgängerzone ist lang, gut belebt, mit vielen Läden. Ich war noch bei Hafız Mustafa, ob man das Café nennen kann, weiß ich nicht, es geht über zwei Etagen.

    Die Lichterfahrt muss man aus meiner Sicht nicht buchen. Für ordentliche Fotos ist es zu spät, und die freie Zeit ist viel zu knapp. Selbst für einen türkischen Kaffee hieß es rein, bestellen, sofort bezahlen und gleich wieder zum Treffpunkt. Besser nimmt man ein Uber, fährt gezielt zum Taksim-Platz und lässt sich dort Zeit.

    Um 22:15 Uhr ging es mit dem Bus zurück. Bei der Einfahrt in den Hafenbereich stiegen Schäferhunde in den Bus, um ihn zu kontrollieren. Wonach sie suchen, weiß ich nicht. Zum Verlassen und Betreten des Bereichs braucht man neben der Bordkarte zwingend die Landgangskarte von AIDA mit QR-Code. Überall Militär und Polizei. Wovor sie hier Angst haben, weiß ich nicht.

    Tag 6 — Istanbul

    Um halb neun gingen wir von Bord, um neun waren wir mit unserem Guide verabredet. Den hatten wir privat gebucht. Erstaunlich viele Gäste mit gebuchten Ausflügen gingen zur selben Zeit vom Schiff, so früh am Morgen hätte ich das nicht gedacht. Der Himmel sah nach Regen aus.

    Unser Guide war Serhat Başaran, staatlich geprüfter Fremdenführer. Istanbul hat laut ihm 18 Millionen Einwohner und rund 3600 Moscheen. Was ich nicht wusste: Die Muezzine rufen live von den Minaretten, nicht vom Band. In Tunesien hatte man mir Mitte der Neunziger noch erzählt, das komme vom Band.

    Ich hatte ihn gefragt, warum überall Touristenpolizei und Militär stehen. Man habe Angst vor Anschlägen, sagte er. Nach einem Anschlag breche der Tourismus für ein bis zwei Jahre komplett ein, und hier lebe so ziemlich jeder vom Tourismus.

    Am Hippodrom, das frei zugänglich ist, steht der Deutsche Brunnen, ein Geschenk von Kaiser Wilhelm II.

    Die Hagia Sophia kostet 25 Euro Eintritt pro Person. Bis 2020 war sie ein Museum, heute ist sie wieder Moschee. Auf die Eintrittsgelder wollte man trotzdem nicht verzichten, also dürfen Touristen nur noch auf die Empore, der untere Bereich ist für das Gebet. Alles, was auf das Christentum hinweist, ist weg. Kreuze wurden von der Wand gehackt, die Mosaike in den kleineren Bögen zwischen den Säulen sind überputzt, nur ein paar sind noch zu sehen. Der Putz ist bloß bemalt und sieht billig aus. In der Haupthalle hängen große runde Holztafeln mit arabischer Schrift, und zurzeit wird restauriert, mit riesigen Gerüsttürmen mitten im Raum. Schön ist das innen nicht, für mich insgesamt nicht gut gemacht.

    Die Zisterne kostet 40 Euro pro Person, auf dem Ticket stehen 2250 Lira. Ich bin allein hinein, für uns drei wären es 120 Euro gewesen. Über eine Stahltreppe geht es nach unten, es ist viel Betrieb, von der Decke tropft es. 336 Säulen stehen im Wasser, das etwa 20 Zentimeter hoch steht. Die Gitterstege liegen zehn Zentimeter darüber. Laut Serhat lagen sie bis vor Kurzem einen halben Meter höher, damals schwammen noch Spiegelkarpfen im Wasser. Heute liegen Münzen am Grund und dazwischen ein paar Lira-Scheine. Hier soll auch „Liebesgrüße aus Moskau“ gedreht worden sein. Einen Zweck hat die Zisterne nicht mehr, das Wasser wird hineingepumpt und bei zu viel Regen wieder abgepumpt. Es finden Ausstellungen und sogar Konzerte statt, was mich bei der Luftfeuchtigkeit wundert. Sieht ganz nett aus. Für einen, der die Bilder macht, geht es, aber man läuft wirklich nur einmal durch.

    Inzwischen nieselte es, also fuhren wir drei Stationen mit der Straßenbahn. Bezahlen geht mit Karte oder Handy. Habt trotzdem beides dabei, auch eine physische Kreditkarte: Das Handy funktioniert nicht an jedem Drehkreuz.

    Im Ägyptischen Basar gibt es alles, was es im Großen Basar gibt. Lokum kostet hier ein Drittel. Laut Serhat ist es auf der asiatischen Seite noch günstiger.

    Mit der Fähre ging es hinüber nach Kadıköy, 120 Lira pro Person, rund 2,20 Euro. Von den Menschen auf der asiatischen Seite arbeiten laut Serhat 60 Prozent auf der europäischen.

    In der Nähe des Dönerladens wechseln sich Geschäfte und Restaurants ab. Auf den Ständen liegt Fisch, von der Decke hängen getrocknete Auberginen. Draußen heizen Gasstrahler, kalt war es nicht, aber so sitzt man angenehm. Sehr schön dort.

    Zum Mittagessen wollten wir einen traditionellen Döner, und Serhat empfahl Tatar Salim. Der Laden war gut besucht, bedient wird schnell. Die Fladenbrote sind sehr dünn und werden frisch gemacht, das Fleisch schmeckt anders als das, was man in Deutschland als Döner bekommt, und wird nicht in Soße ertränkt. Man bekommt das geschnittene Fleisch mit dem dünnen Fladenbrot auf dem Teller, dazu eingelegte Gurken, Peperoni und Zwiebeln mit Chili, und füllt sich das Brot selbst. Für uns vier, Serhat hatten wir eingeladen, lag die Rechnung bei ungefähr 50 Euro. Nicht ganz günstig, aber sehr gut.

    Um halb drei brachte Serhat uns zurück zum Pier. Bezahlt wird pro Gruppe, nicht pro Person: 200 Euro für rund sechs Stunden. Je weniger man ist, desto teurer wird es pro Kopf. Ich kann ihn trotzdem absolut empfehlen, er erklärt ruhig und ist sehr geduldig.

    Mit der Fähre ging es zurück, zu Fuß zum Schiff. Um 20 Uhr legten wir ab.

    Tag 7 — Seetag

    Seetag: Außentemperatur und Geschwindigkeit

    Tag 8 — Volos

    Um 7:45 Uhr lagen wir in Volos am Pier, nach einer ruhigen Nacht ohne Seegang. Der Himmel war sternenklar, entsprechend kühl war es am Morgen, 11 Grad. Unsere Kabine lag wieder zur Hafenseite, zur weniger schönen. Mit dem Shuttlebus ging es in die Stadt, bei Sonne und blauem Himmel. Die hatten wir die letzten Tage kaum gesehen.

    Die Meteora-Klöster, auch die hängenden Klöster genannt, haben wir bewusst ausgelassen, das wären allein fünf Stunden Busfahrt hin und zurück gewesen. Wir haben uns nur Volos angesehen, eine Stadt mit rund 86.000 Einwohnern.

    Der Shuttlebus setzt einen im Hafenbereich ab. An der gegenüberliegenden Uferpromenade reihen sich Hotels, darunter ein Restaurant neben dem anderen, schon am frühen Morgen gut besucht. An der Hafenmauer liegen unzählige Boote und Yachten. Ob die vermietet werden oder Privatleuten gehören, kann ich nicht sagen.

    Am Hafen steht eine Bronzestatue von Iason, auf Deutsch Jason, mit Speer und einem Widderfell über der Schulter, samt Kopf und gedrehtem Horn. Das ist das Goldene Vlies. Laut Mythos baute er hier, im antiken Iolkos, auf dessen Gebiet Volos heute liegt, die Argo und segelte mit den Argonauten los, um das Goldene Vlies zu holen.

    An der Strandpromenade ist lange nichts gemacht worden. Der Asphalt ist aufgerissen und großflächig mit Beton zugeschmiert, die Treppen zum Wasser sind mit Stahlbarrieren gesperrt, aus denen die Eisen herausschauen. Die Sitzstufen hat das Meer schon weggespült. Links der Promenade nur Beton, auf der ganzen Länge mit Graffiti besprüht. Hier fehlt Geld, und das ist aus meiner Sicht ein Kreislauf: Die Leute vom Schiff laufen einmal hin und zurück, hinsetzen mag man sich nirgends, also lassen sie auch kein Geld da.

    Direkt am Wasser steht die Kirche Agios Konstantinos und Eleni. Es war Sonntag, und in mehreren Kirchen lief parallel der Gottesdienst.

    Danach waren wir in Agios Nikolaos. Die Kirche ist außen wie innen sehr gut erhalten, alles sauber, nichts abgeblättert, die Kuppel vollständig ausgemalt.

    Vor beiden Kirchen waren Stände aufgebaut, mit Blumen, Kartons und Körben, und es wurden Donuts ausgepackt. Wahrscheinlich gehörten sie zu einer Taufe oder Hochzeit nach dem Gottesdienst. Sicher sagen kann ich es nicht.

    Volos hat schöne kleine Gassen, sonntags allerdings mit geschlossenen Läden. Was mir sehr auffällt, ist das viele Graffiti, die Wände sind überall besprüht. Ich finde das generell nicht schön, egal wo. So heftig wie hier ist es mir in der Türkei nicht aufgefallen.

    Eingekehrt sind wir im Red Nose. Es gab griechischen Kaffee, Single, ungefähr so stark wie ein doppelter Espresso, dazu eine Flasche Wasser kostenlos. Für einen Tee und zwei Kaffee haben wir rund 10 Euro bezahlt. Auf der Rechnung standen 24 Prozent Mehrwertsteuer, das hat mich etwas erstaunt. Der Preis ist trotzdem in Ordnung.

    Um 18 Uhr hieß es Sail Away.

    Tag 9 — Athen

    Beim Einlaufen war die Akropolis durchs Fernglas zu sehen, noch winzig. In den Buchten lag leichter Nebel, es hatte um die 18 Grad. Die Stadt zieht sich mit kleinen Wohnhäusern bis an die Küste.

    Um 9:15 Uhr lagen wir am Pier. Die AIDAstella ist fast bis ans Ende des Hafenbeckens gefahren und hat dort auf engem Raum gedreht. Im Hafen liegen viele Fähren, mit uns waren es vier Kreuzfahrtschiffe, ringsum wird gebaut. Zum ersten Mal auf dieser Reise mussten wir die Pässe mitnehmen, sonst hat immer die Bordkarte gereicht. Selbst laufen darf man im Hafengelände nicht, ein Shuttlebus bringt einen hinaus.

    Gleich vor dem Terminal warten die Taxis. Gut, dass wir vorher nachgesehen hatten: Mit Uber hätte die Strecke 16 bis 25 Euro gekostet, mit dem Taxi 25 bis 34. Unser Fahrer wollte 40 Euro. Als wir wieder aussteigen wollten, ging er auf 35 herunter. Ein Taxameter hatte er nicht, obwohl man uns gesagt hatte, wir sollen darauf achten, und er nahm nur Bargeld. Also: Preis vorher vereinbaren und fragen, ob er Karte nimmt. Der Verkehr ist irre. An der Hauptstraße hat er uns rausgelassen, die schmale Straße weiter war nach einer Explosion gesperrt.

    Unterhalb der Akropolis sind wir durch Gassen den Berg hochgelaufen, bis man das Gefühl hat, bei den Leuten im Hinterhof zu stehen. Ganz kleine Räume, kleine Türen, auf manchen Dächern liegt notdürftig Wellblech, einige sind eingestürzt. Viel Geld haben die Leute hier nicht. Die Gässchen selbst sind trotzdem niedlich, und überall Katzen.

    Blickt man zurück auf die Stadt, ist es schon Wahnsinn, wie weit sie sich ins Land zieht, alles in einem Einheitston aus Sandbraun mit etwas Weiß dazwischen. Von oben sieht das ein bisschen trostlos aus.

    Im Yiasemi waren wir oben auf dem Dach, mit Blick über die Stadt. In den Gassen gibt es unzählige Cafés mit Dachterrassen, überall stehen Kerzen. Abends, wenn in der Stadt die Lichter angehen, sieht das bestimmt schön aus.

    In der Plaka rund um die Restaurants, Gassen und Cafés sind jede Menge Menschen unterwegs, Touristengruppen, viele Studenten und Straßenkünstler. Souvenirs gibt es von kitschig aus Plastik bis Messing. Eine fünf Zentimeter große Götterfigur aus Messing kostet ungefähr 20 Euro, dieselbe in Messingoptik aus Kunststoff 5 Euro. Ich habe eine Espressotasse in den Farben Griechenlands gekauft. Durch die Gassen kommen am besten die Essenslieferanten auf ihren Rollern.

    Durch den Zaun sieht man auf die Hadriansbibliothek. Kaiser Hadrian ließ sie um 132 nach Christus bauen, mit Räumen für Schriftrollen, Lesesälen und Hörsälen. Ein paar Schritte weiter steht am Ende einer Gasse der Turm der Winde, darüber die Akropolis. Der achteckige Marmorturm aus dem 1. Jahrhundert vor Christus war eine Art Uhrenturm, mit Sonnenuhren an den Seiten, einer Wasseruhr im Inneren und einer Windfahne auf dem Dach. Oben an den Seiten sind die acht Windgötter abgebildet.

    Mitten in der Einkaufsstraße Ermou steht die kleine Kapnikarea. Innen ist sie vollständig ausgemalt, bis in die Kuppel.

    Zurück ging es vom Syntagma-Platz vor dem Parlament mit der Metro, Linie 3, bis zur Endstation Dimotiko Theatro in Piräus. Die letzten rund 1,6 Kilometer zum Schiff sind wir gelaufen.

    Um 20:15 Uhr hieß es Sail Away.

    Tag 10 — Heraklion

    Um 8:30 Uhr haben wir in Heraklion festgemacht, die Steuerbordseite diesmal zum Pier. Leicht bewölkt, die Sonne schien, laut Bordmonitor 16 Grad. Gleich neben dem Kreuzfahrtterminal liegt der Flughafen. Man sieht die Flugzeuge steigen und hört sie landen, ein Mordslärm. Frei bewegen darf man sich auch hier im Hafengelände nicht, ein Bus bringt einen hinaus. Einen Ausflug hatten wir nicht gebucht.

    Mit dem Shuttle sind es etwa zehn Minuten bis zur Einkaufsmeile. Die Promenade und die Hotels und Büros dahinter erinnern mich stark an die Kanaren. In der Fußgängerzone selbst gibt es keine Cafés, dafür muss man nach links oder rechts in die Seitenstraßen. Die Läden sind die üblichen Verdächtigen, die es in jeder größeren Stadt gibt. Hier und da ein paar versprengte ältere Gebäude, ob echt alt oder auf alt gemacht, kann ich nicht sagen, daneben die Würfelbauten, wie man sie im Süden oft sieht. Zumindest in dem Bereich, in dem ich unterwegs war: sehr enttäuschend.

    Mit uns lagen noch drei weitere Kreuzfahrtschiffe im Hafen. Das sind mehrere tausend Menschen, die auf einmal in die Innenstadt gekippt werden, und das merkt man in jedem Café und Restaurant. Überall hört man „AIDA“, viele Deutsche. Was eine Stadt wie Heraklion aushalten muss, wenn die Schiffe gebündelt anlegen, ist schon irre. Das gilt aber für jeden Hafen.

    Ich sitze einfach gern im Café, im Halbschatten oder in der Sonne, und schaue dem Treiben zu. Am Brunnen, den ich fotografiert habe, liegen allein fünf Cafés. Der Morosini-Brunnen stammt aus der Zeit der Venezianer. Der venezianische Statthalter Francesco Morosini ließ ihn als Endpunkt einer Wasserleitung aus den Bergen bauen, 1628 wurde er eingeweiht und versorgte die Stadt mit Trinkwasser. Die Schale ruht auf vier Marmorlöwen, deshalb heißt der Platz bei den Einheimischen auch Löwenplatz. Hektisch ist es nicht, laut sind nur die vielen Gespräche aus den Restaurants. Was mir hier wie in Athen und in der Türkei auffällt, sind die Schmierereien. Was waagerecht oder senkrecht ist, wird besprüht, selbst die mit Marmor verkleideten Sockel.

    Ein paar Schritte weiter steht die Kirche Agios Titos, benannt nach dem ersten Bischof Kretas. Unter den Osmanen war sie eine Moschee, seit 1925 ist sie wieder Kirche. Drinnen hängt ein Kronleuchter, ganz aus Holz und über mehrere Stufen, sonst sieht man ja meist Metall. Sehr schön gearbeitet.

    Auf einem Platz in der Innenstadt steht die Büste von Ioannis Daskalogiannis. Er führte 1770 einen Aufstand der Kreter gegen die Osmanen an und wurde 1771 in Heraklion öffentlich hingerichtet.

    Kleine Anekdote am Rande: Einer Bettlerin habe ich zehn Euro gegeben, nachdem ich sie eine Weile beobachtet hatte. Zwanzig Minuten später lief sie zum Taxistand und fuhr mit dem Taxi davon. Traurig, dass meine Menschenkenntnis nicht gereicht hat. Lustig fand ich es trotzdem.

    Am Taxistand in Heraklion stehen die Preise für die einzelnen Ziele fest angeschrieben, zum Strand von Karteros 18 Euro. Die Abholzeit haben wir gleich mit ausgemacht, denn am Strand gibt es keinen Taxistand. Uber hätte ungefähr das Doppelte gekostet. Immer noch besser, als das Schiff zu verpassen.

    Wir lagen im News Seaside, einer Strandbar mit Liegen, Musik, Duschen, Essen und Getränken, die Tische um die Bar im Schatten. Der Strand könnte sauberer sein, im Sand liegt viel Plastik. Schönere Orte gibt es sicher, aber für einen halben Tag mit Baden ist das absolut in Ordnung.

    Im Wasser konnte ich mich treiben lassen, ohne mich zu bewegen. Das Mittelmeer ist mit rund 3,8 Prozent Salz deutlich salziger als die Nordsee mit etwa 3,5 und erst recht als die Ostsee.

    Um 15:30 Uhr hat uns das Taxi wieder abgeholt. Bis zum Schiff fährt es nicht, am Hafen gibt es einen eigenen Taxistand, von dort geht es mit dem Shuttlebus von AIDA weiter.

    Um 19 Uhr hieß es Sail Away.

    Tag 11 — Rhodos

    Um 7:30 Uhr lag die AIDAstella in Rhodos-Stadt fest. Aus der Kabine ging der Blick zwar von der Stadt weg, den Sonnenaufgang konnten wir trotzdem sehen. Schon vom Schiff aus wirkte Rhodos angenehmer als Kreta: mehr Grün, mehr Bäume und Häuser in derselben historischen Steinbauweise wie die Stadtmauer, die die Altstadt umschließt.

    Vom Liegeplatz sind es rund 500 Meter bis zum ersten Durchgang. Man geht über die Straße, durch den Bogen, und steht in der Altstadt. Dahinter reihen sich Restaurants und Läden, der erste Eindruck ist einladend.

    Rund 100 Meter weiter rechts, auf dem Platz der Jüdischen Märtyrer, steht ein Brunnen mit Seepferdchen. Im Café daneben haben wir zwei große griechische Kaffee und eine Cola getrunken, zusammen 15 Euro. Wenn man bedenkt, dass die halbe Tasse Kaffeesatz ist, ist das heftig. Hier ist alles auf Touristen ausgerichtet, die nur einen Tag bleiben und die Ecken mit normalen Preisen gar nicht erst finden.

    Ein Stück weiter stehen Leute von den Restaurants mit Papageien, die sie einem auf die Schulter oder den Kopf setzen, damit man danach bei ihnen isst oder trinkt. Auch in den Restaurants daneben sitzen Aras oben in den Sonnenschirmen oder auf Stuhllehnen. Fliegen kann keiner von ihnen mehr, sie laufen und ziehen sich von Stelle zu Stelle. Katzen gibt es auch hier überall, wie in fast jedem Hafen dieser Reise.

    Das ehemalige Hospital der Johanniter wurde 1440 begonnen und 1489 unter Großmeister d’Aubusson fertiggestellt. Heute ist darin das Archäologische Museum.

    Von dort führt die Ritterstraße hinauf, knapp 200 Meter lang. Die Johanniter beherrschten Rhodos von 1309 bis zur Eroberung durch die Osmanen 1522. Der Orden war nach Herkunft in sieben „Zungen“ gegliedert, etwa Frankreich, Italien, Spanien, England und Deutschland, und jede hatte hier ihre eigene Herberge. Ihr heutiges Aussehen verdankt die Straße zu einem guten Teil der italienischen Restaurierung in den 1930er-Jahren.

    Oben steht der Großmeisterpalast, den ich nur von außen gesehen habe. Die Johanniter bauten ihn im 14. Jahrhundert. 1856 zerstörte eine Explosion in der Pulverkammer große Teile, danach blieb nur eine Ruine. Die Italiener bauten ihn 1937 bis 1940 wieder auf, als Residenz des Gouverneurs und Urlaubsquartier für den König und Mussolini. So genutzt hat ihn keiner der beiden, heute ist er ein Museum.

    Abseits der großen Wege werden die Gassen ruhiger, mit Kieselpflaster und Bögen zwischen den Häusern. Insgesamt ist die Altstadt wirklich schön gemacht.

    Man hat die Altstadt aber auch schnell durch. Läuft man innen an der Stadtmauer entlang, wiederholt sich vieles, und mit zwei Kreuzfahrtschiffen im Hafen schieben sich die Touristen langsam durch die Gassen. Ich bin dann früher an Bord gegangen.

    Um 16 Uhr hieß es Sail Away.

    Tag 12 — Antalya

    Rückreise: von Bord in Antalya, Flug nach Frankfurt, nach Hause

    Wie angekündigt haben wir um 5 Uhr in Antalya festgemacht. Die Koffer mussten auf Wunsch der türkischen Behörden schon bis 2 Uhr nachts vor der Kabinentür stehen, die Crew hat sie von Bord gebracht. Bis 9 Uhr mussten wir vom Schiff sein und haben die Koffer in der ersten Halle wieder abgeholt. Danach ging es mit dem Bus in etwa 45 Minuten zum Flughafen.

    Am Flughafen Antalya kommt die Sicherheitskontrolle vor der Gepäckabgabe, die Koffer werden also durchleuchtet, bevor man sie aufgibt. Das hatte ich so noch nicht gesehen. Überhaupt habe ich selten einen so schlecht organisierten Flughafen erlebt, auch das Gebäude ist in keinem schönen Zustand. Das Personal war mega unfreundlich, an der Passkontrolle genauso wie an den Schleusen, an denen man sein Ticket scannt und durch kleine Türen geht. Bei uns hat das Scannen nicht funktioniert, die Mitarbeiterin war völlig genervt, hat auf Türkisch herumgebrüllt und ist dann einfach verschwunden. Die Leute standen vor den Schleusen. Ich habe schon viele Flughäfen gesehen, auch die Ein- und Ausreise in die USA ist weit weg von dem, was hier getrieben wird. Man kann es mit der Sicherheit genau nehmen und trotzdem freundlich sein. An der Passkontrolle muss man sich nicht wie ein Stück Vieh behandeln lassen, dem man nur mit Handzeichen und Kopfbewegungen zeigt, was es zu tun und zu lassen hat.

    Damit war es nicht vorbei. Am Gate wurden Pässe und Tickets noch einmal kontrolliert, aufs Ticket kam ein Stempel, dann folgten noch ein Körperscan und noch einmal Abtasten, alle Geräte mussten wieder eingeschaltet werden. Sitzplätze gab es danach vielleicht für 30 Prozent der Leute, wir haben eine Stunde gestanden. Ein Schild verwies darauf, dass das eine Forderung von Lufthansa und anderen Fluggesellschaften sei. Ich habe nachgeschaut: Beschrieben sind nur die Kontrolle beim Betreten des Flughafens und der Sicherheitscheck vor den Gates, die zusätzliche Kontrolle am Gate nirgends. Selbst auf der Fluggastbrücke standen wir noch einmal, weil man nicht ins Flugzeug konnte. Für das ganze Prozedere sollte man locker anderthalb bis zwei Stunden rechnen.

    Geplanter Abflug war 12:45 Uhr. Mit Discover ging es nach Frankfurt, gegen 16 Uhr sind wir gelandet und von dort direkt nach Hause gefahren.

    Zwölf Tage, acht Häfen, zwei Seetage. Am stärksten in Erinnerung bleibt mir Istanbul, vor allem der Tag mit dem privaten Guide. Izmir und das Zentrum von Heraklion haben mich enttäuscht, Volos und Rhodos hatten ihre schönen Ecken, und unterhalb der Akropolis in Athen lohnt sich jeder Schritt durch die Gassen. Was sich durch die ganze Reise zog: Wo mehrere Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig anlegen, schieben sich Tausende durch dieselben Straßen, und Preise und Angebot sind genau darauf eingestellt. Wer nur einen Tag hat, sieht von einer Stadt oft nur diesen Teil.

  • Eine Woche Ramsau im Zillertal 2026

    Eine Woche Ramsau im Zillertal 2026

    Tageshöchst- und Tiefsttemperaturen vom 1. bis 7. August 2026 in Ramsau im Zillertal

    Sieben Tage Zillertal, Ferienwohnung am Hang über Ramsau, mit Blick talauswärts Richtung Mayrhofen. Hier schreibe ich Tag für Tag mit, was wir gesehen und gemacht haben.

    Tag 1 – Anreise nach Ramsau

    Auf dem letzten Stück Richtung Österreich fällt die Anzeige im Auto von 30 auf 19 Grad. Wir fahren durch ein Regengebiet, und über dem Zillertal steht in der Wetter-App eine lilafarbene Fläche, genau da, wo wir hinwollen. Zu sehen beim Fahren war trotzdem genug, kritisch wurde es nicht.

    Losgefahren sind wir um zehn, wie geplant. Mit Stau gerechnet hatten wir an drei Stellen: bei Erlangen und Nürnberg, dann bei Ingolstadt und schließlich um München herum. Gestanden haben wir an keiner davon, nur zwischendurch zäher Verkehr. Kurios war die Gegenrichtung: Richtung Norden Stau, obwohl in Bayern und Baden-Württemberg gerade die Ferien angefangen haben. Ich hätte es genau andersherum erwartet.

    Im Ort sehen wir das Haus schon von unten, links oben am Hang. Der Weg hinauf ist eine schmale Straße mit Ausweichbuchten für Gegenverkehr, steil zum Tal hin und ohne Leitplanke. Wenn man das nicht jeden Tag fährt, fährt man hier echt langsam.

    Um halb vier sind wir da. Das Ferienhaus hat mehrere Wohnungen, die Garage liegt im Gebäude. Die Wohnung ist seit Dezember 2025 fertig, entsprechend neu ist alles, mit viel Fensterfläche. Die Familie betreibt ein eigenes Architekturbüro, und das sieht man dem Haus an. Vom Balkon geht der Blick über das Tal, nach links Richtung Mayrhofen, gegenüber Berge und Almen.

    Am Abend zieht der Regen ab, es bleibt leicht bewölkt. Genug für einen Spaziergang am Hang entlang, den befestigten Weg hoch, vorbei an den Bauernhöfen, in die man von der Straße aus sehr leicht hineinschauen kann.

    Tag 2 – Zum Keilkellerwasserfall

    Am Einstieg steht ein Schild: zwanzig Minuten bis zum Wasserfall. Die kann man vergessen. Wir haben deutlich länger gebraucht, und das lag nicht daran, dass wir getrödelt hätten.

    Los geht es am Parkplatz in Schwendau, kostenfrei. Zuerst ein Stück geteerte Straße mit leichtem Anstieg bis zur Brücke über den Horbergbach, dahinter beginnt der Wald. Es war wärmer als erwartet, wir hatten Rucksäcke dabei, und nach den ersten Minuten im Anstieg waren wir durchgeschwitzt.

    Was auf dem Schild nicht steht: Der Weg ist streckenweise richtig steil, an manchen Stellen rutschig, obwohl es nicht geregnet hatte. Über den Pfad ziehen sich herausstehende Wurzeln, dazu kommen Stufen, die einen ordentlichen Schritt nach oben verlangen. Bänke gibt es unterwegs ein paar.

    Weiter oben wird der Weg mehrfach schmal. Auf der rechten Seite gibt es beim Aufstieg ein Seil, an dem man sich festhalten kann — zur Hangseite links hin ist nichts, und dort geht es steil hinunter. Wer mit Kreislauf, Gleichgewicht oder der Koordination beim Gehen zu tun hat, sollte diese Runde auslassen. Der Weg ist anspruchsvoller, als er beschrieben wird.

    Davon abgesehen ist es ein schöner Weg. Streckenweise sieht es aus wie im Märchenwald, man läuft fast durchgehend im Schatten, und immer wieder kommt man an Stellen vorbei, an denen man die Füße ins kalte Bergwasser halten kann. Viel los war nicht: Auf dem Weg nach oben sind uns vielleicht zehn Wanderer entgegengekommen, auf dem Rückweg waren noch drei oder vier im Aufstieg.

    Der Wasserfall selbst ist die Mühe wert. Er liegt eingebettet in eine Schlucht, und wenn man unten steht, wo das Wasser aufschlägt, steigt die Gischt hoch und legt sich auf Haut und Kleidung. Bei diesen Temperaturen war das genau richtig.

    Vom Wasserfall führt links noch ein kurzes Stück hinüber zum Aussichtspunkt. Von dort geht der Blick über das Tal bis nach Mayrhofen, und unterhalb liegt die Horbergbachverbauung, die zwischen 2011 und 2017 entstanden ist. Über uns waren Paragleiter unterwegs, die unweit von hier auf einer Wiese starteten, um unten im Tal zu landen — es waren so viele, dass wir eine ganze Weile nur nach oben geschaut haben.

    Der Rückweg ist angenehmer, verlangt aber Aufmerksamkeit: Im Gefälle bleibt man leicht im Wurzelwerk hängen. Auf halber Höhe haben wir noch einmal Halt gemacht, an einer Stelle, wo das Wasser über den Fels läuft, und die Füße hineingehalten.

    Zum Keilkellerwasserfall und zurück: 4,34 km, 228 Höhenmeter, reine Gehzeit knapp 1:40 h, unterwegs mit Pausen rund 2:35 h. Start am Parkplatz in Schwendau. Der Wasserfall ist Station 6d des Schwendauer Pfads.

    Danach ging es zurück in die Wohnung BLÄKAT, was soviel wie „Ruhe“ heißt — und weiter zur Erlebnissennerei. Die ist groß und schön angelegt, und ein Besuch lohnt sich. Im Laden gibt es Butter, Eier, verschiedene Käsesorten und Wurst, dazu Getränke und alles was mit Milchprodukten im Zusammenhang steht. Es gibt zusätzlich typische Holzwaren wie Schneidebretter, Schalen und Bestecke. Nebenan ist ein Restaurant: Mittag essen, Eis, Kaffee, Bier, alles was Herz begehrt. Auch den Kaiserschmarrn, den viele so lieben.

    Tag 3 — Mayrhofen

    Zehn Euro für sechs Stunden im Parkhaus, die erste Stunde davon kostenfrei, und das Auto steht im Schatten. Das ausgeschilderte Parkhaus in Mayrhofen war die unkomplizierteste Entscheidung des Tages. Wenn die erste Ebene voll ist, geht es noch eine tiefer, Platz gab es reichlich.

    Davor: ausschlafen, in Ruhe frühstücken, kein Zeitplan. Wir sind dann runter nach Mayrhofen und haben uns die Geschäfte angesehen, die eine oder andere Kleinigkeit gekauft und uns sonst treiben lassen. Sechs Stunden sind so zusammengekommen, ohne dass es sich lang angefühlt hätte.

    Dass der Ort vom Tourismus lebt, sieht man sofort, und vor allem vom Winter. Ein Sportladen nach dem anderen, Skiausrüstungen im August. Dazwischen Cafés und Restaurants, an denen nichts lieblos wirkt. Was mir hier am besten gefällt, ist trotzdem die Lage — die Hänge stehen ringsum, egal wohin man schaut.

    Beim Essen kann man wenig falsch machen. Ich glaube nicht, dass sich an der Meile, über die alle laufen, ein Restaurant mit schlechter Qualität lange halten würde. Worauf man aber achten sollte: Zwischen zwölf und vierzehn Uhr machen die meisten Restaurants zu, teilweise auch die Läden. Wer zur falschen Zeit hungrig wird, steht erst mal vor verschlossenen Türen.

    Am späten Nachmittag wieder zurück ins Parkhaus, ins Untergeschoss, wo es nur wenig kühler war als an der Oberfläche.

    Tag 4 – Spieljoch: Gipfelkreuz, Kaiserschmarrn und eine Staubwolke

    Am Ende des Tages sah ich aus, als hätte ich eine Schicht auf der Baustelle hinter mir. Dreck im Gesicht, Staub am Hals, an den Händen, an den Beinen, die Klamotten grau. Dabei hatte der Tag ganz harmlos angefangen, mit einer Gondelfahrt.

    Um halb elf standen wir an der Kasse der Talstation in Fügen. Oben auf knapp 1.900 Metern schaust du über das halbe Inntal. Neben dir starten die Paragleiter, unterhalb der Bergstation liegt ein Wasserspielpark, an dem sich Kinder stundenlang aufhalten können. Wir sind stattdessen los, den Rundweg über das Gipfelkreuz und die Geols Alm, gut viereinhalb Kilometer und rund 200 Höhenmeter. Erst der Anstieg zum Kreuz, dann ein Stück bergab zur Alm.

    Die Geols Alm liegt auf 1.774 Metern, und dort gab es Kaiserschmarrn mit Apfelmus in der Pfanne. Gleich um die Ecke steht ein altes Almhaus, an dessen Fassade eine ganze Reihe alter Milchkannen aufgereiht ist, darüber blaue Fensterläden und rote Geranien. Zurück sind wir nicht den steilen Normalweg gegangen, sondern links an der Hütte vorbei. Der ganze Weg ist sauber, nirgends liegt Müll herum.

    Um Viertel nach drei war der Termin für die Mountaincarts. Eine halbe Stunde vorher am Infostand melden, Haftungsausschluss ausfüllen und unterschreiben, dann kommt die Einweisung. Wir waren etwa zwanzig Fahrer, dazu noch mal zehn auf den Fatrollern mit den dicken Reifen. Sechseinhalb Kilometer bergab, und du wirst deutlich schneller, als du denkst. Was mir den Spaß gekostet hat, war der Staub. Bei der Trockenheit fährst du auf der Schotterpiste komplett in der Wolke des Vordermanns, siehst nichts, hast das Zeug in den Augen und zwischen den Zähnen. Ich habe mir bei einem der Guides eine Brille geliehen, die haben welche dabei. Erst die letzten zweihundert Meter zur Mittelstation gehen über Teer, da wird es schlagartig ruhig und sauber. Unten an der Talstation haben wir uns auf dem WC erst mal Gesicht, Arme und Beine gewaschen und den Mund ausgespült.

    Danach ein Eis vom italienischen Wagen an der Talstation und ein Abstecher in die Sennerei, keine siebenhundert Meter entfernt. Zwei Butterblöcke à anderthalb Kilo und verschiedene Käse, darunter ein zwölf Wochen gereifter Emmentaler, der mit dem, was im Supermarkt in Scheiben liegt, wenig gemein hat. Gerechnet auf das Kilo war die Butter günstiger als bei uns die Fassbutter.

    Praktisches: Die Bergbahn kostet 34 Euro pro Person für Berg- und Talfahrt. Das Mountaincart kommt mit 33 Euro pro Person obendrauf, das Bahnticket brauchst du trotzdem. Reservieren musst du vorher online, spontan mitfahren geht nicht. Bei der Buchung wird die Körpergröße abgefragt, danach werden Cart und Helm passend vorbereitet. Kleinere Kinder saßen bei Mutter oder Vater auf dem Schoß, das schien niemanden zu stören. Zieh nichts an, was dir lieb ist. Der Parkplatz kostet fünf Euro am Tag, aber wenn du am Automaten den Barcode deines Bahntickets vor den Scanner hältst, zahlst du nichts. Und noch ein Hinweis: Der erste, gut ausgeschilderte Parkplatz links am Berg war komplett voll, während gegenüber hinter dem Sportgeschäft ein zweiter, zurückgesetzter Parkplatz fast leer stand. Den sieht man von der Straße aus nicht.

    Im Tal zeigte das Auto am späten Nachmittag 38 Grad. Oben auf dem Berg waren es vielleicht fünf weniger, und selbst das war noch reichlich. Abends in der Wohnung blieb die Balkontür zu, und die Wäsche war nach dem Durchwaschen unter der Dusche schneller trocken als sonst in zwei Tagen.

    Tag 5 – Ein Kühlschrank aus Bachwasser: zu Fuß am Zillergründl

    Gleich am Taleingang steht die erste Schranke. Ein Mann tritt ans Fenster, kassiert fünfzehn Euro und hebt den Schlagbaum. Das gilt für die Einfahrt und für die Ausfahrt am selben Tag, bezahlt wird nur einmal. Danach geht es eine ganze Weile durchs Tal, vorbei an vielen Engstellen, an denen man gleichzeitig auf Gegenverkehr, Radfahrer und die Busse achten muss, die im Halbstundentakt hoch und runter pendeln.

    Ganz oben endet die Straße an der zweiten Schranke. Dahinter kommen nur noch Radfahrer durch und die Busfahrer, die den Schlagbaum vom Sitz aus öffnen. Davor ist Platz für etwa zehn Autos, alle besetzt. Wir bekommen eine Lücke, weil gerade jemand herausfährt. Sonst hätten wir ein Stück zurückfahren müssen, auf den größeren Parkplatz, und die letzten fünfzig Meter wieder hochlaufen, denn die Haltestelle ist oben an der Schranke. Nach einer Viertelstunde kommt der Bus, 24,50 Euro für vier Erwachsene hin und zurück, gut sechs Euro pro Person.

    Die Fahrt hinauf geht an Almen vorbei, Kühe stehen direkt neben der Fahrbahn. Auf den letzten Metern verschwindet der Bus in einem Tunnel, und wenn er wieder herauskommt, steht man neben der Staumauer. 186 Meter hoch, 502 Meter lang auf der Krone, oben sechs Meter breit, unten 36, gebaut zwischen 1981 und 1986. Dahinter stehen 89,5 Millionen Kubikmeter Wasser auf 1.850 Metern, an der tiefsten Stelle sind es wieder 186 Meter. Von dort läuft das Wasser durch einen Stollen zum Kraftwerk Häusling hinunter, 744 Meter Fallhöhe.

    Gleich hinter der Mauer beginnt ein zweiter Tunnel, dieser nur für Fußgänger, und der ist bei so einem Tag die halbe Miete. Rund vierhundert Meter lang, gut ausgeleuchtet und so großzügig gebaut, dass Baumaschinen hindurchpassen. Draußen steht die Sonne auf dem Hang, drinnen wird es nach wenigen Schritten spürbar kühl. Ein Thermometer hatten wir nicht dabei, aber den Unterschied merkt man auf der Haut.

    Der Weg dahinter wird als Höhenweg beschrieben, der auf einer Höhe bleibt. Stimmt nicht. Es geht hoch und runter, ein paar Rampen sind ordentlich steil. Kinderwagen sieht man trotzdem. Hin und zurück sind es 9,4 Kilometer und 228 Höhenmeter. Hängengeblieben sind mir die Bänke: Jede hat ihren eigenen Namen. An den Felsen daneben hängen Schilder mit Sprüchen, über Dankbarkeit und darüber, was im Leben zählt. Dazwischen kommen Wasserfälle vom Gletscher herunter und laufen direkt in den See. Wer sich dort hinstellt, hat für ein paar Meter die kühlste Luft der ganzen Strecke.

    Am Talschluss liegt die Hohenau Alm auf 1.863 Metern, die sich Klein Tibet des Zillertals nennt. Fünf Fahnen auf einem Steinhaufen, davor der Schriftzug, unterwegs immer wieder Gebetsfahnen über dem Weg, oben stehen Gebetsmühlen. Betrieben wird die Alm von einer Familie, die unten in Uderns einen Hof hat und bei der die Kinder mitarbeiten. Fleisch, Brot, Käse und Milch kommen von diesem Hof.

    Man sitzt in Nischen zwischen den Felsblöcken, jede mit Bank, Tisch und Schirm. Kühe, Schweine und Hühner laufen frei herum. Unterhalb der Alm läuft der Bach durch, dort kann man die Füße reinhalten, und die Kinder haben Platz zum Spielen.

    An unserem Tag war Selbstbedienung: Tischnummer merken, drinnen in der Hütte bestellen. Frankfurter mit Senf sieben Euro, Käseteller 12,50, hausgemachter Nudelsalat 13,50, alles mit eigenem Bauernbrot. Bier 5,50, Milch aus dem Zillergrund 3,50. Am besten gefallen hat mir die Getränkekühlung. Eine lange Holzrinne, in der die Kisten stehen, oben läuft ein Schlauch mit Bachwasser hinein, unten wieder heraus. Kein Strom, kein Kompressor. Man nimmt sich, was man möchte, und bezahlt drinnen.

    Der Rückweg war der anstrengendste Teil des Tages. Sobald der Weg die Wasserfälle und die schattigen Stücke hinter sich lässt, merkt man, wie stark sich der Hang aufgeheizt hat. Auf den Tunnel habe ich mich schon von weitem gefreut. Danach sind wir nicht gleich in den nächsten Bus gestiegen, sondern noch einmal über die Mauer gelaufen. Von der Krone sieht man auf der einen Seite den See und auf der anderen 186 Meter senkrecht nach unten, dazu die Serpentinen, auf denen der Bus heraufkommt.

    Auf halber Strecke im Tal haben wir noch einmal angehalten. Ein paar Kühe standen direkt an der Straße und haben sich beim Wiederkäuen nicht weiter stören lassen.

    Tag 6 — Schwaz

    Kurz nach zwölf sind wir in Schwaz angekommen. Die Fahrt aus dem Tal heraus dauerte länger als gedacht, weil sich der Verkehr streckenweise staute. Schwaz liegt nämlich gar nicht mehr im Zillertal, sondern unten am Inn im Unterinntal — es ist die Bezirkshauptstadt des Bezirks Schwaz, zu dem das Zillertal verwaltungstechnisch gehört. Daher der Name, aber es ist ein Ausflug aus dem Tal hinaus. Geparkt haben wir im ersten Parkhaus, direkt unter der Galerie. Als Einkaufszentrum ist die überschaubar: zwei kleinere Restaurants für Getränke und Snacks, sonst wenig, was einen aufhält.

    Von dort ist es ein kurzes Stück in die Altstadt, und die ist genauso überschaubar. Fast alles liegt auf gerader Linie zur Pfarrkirche.

    Die Kirche ist der Grund, warum man herkommt. Innen der klassische Aufbau, Bänke Richtung Altar, im Rücken die Empore mit der großen Orgel. Was auffällt, sind die Säulenreihen, die den Raum gleich in vier Schiffe teilen, und der Steinboden, stellenweise so ausgetreten, dass man sieht, wie lange hier schon Leute durchlaufen.

    Gleich daneben der Kreuzgang des Franziskanerklosters. Spitzbögen, Efeu über den Mauern, ein Innenhof mit Rasen. Zwanzig Meter von der Straße entfernt und trotzdem still. Ähnlich das Fuggerhaus mit seinen drei Etagen Arkaden und den Blumenkästen, komplett zugewachsen. Oben am Hang steht Schloss Freundsberg über der Stadt.

    Auf dem Rückweg zum Parkhaus sind wir noch in den Kolonialwaren gegangen, einen kleinen Laden mit einem Sortiment, das man hier nicht erwartet: hochwertige Matcha-Tees, Gewürze, Sardinen in Olivenöl aus Frankreich und Portugal, kleine eingelegte Forellen aus Österreich. Kartenzahlung geht dort nicht, der Empfang für das Lesegerät bricht immer wieder ab. Also Bargeld mitnehmen. Wir haben gestöbert und uns mit der Besitzerin unterhalten, und das war die Viertelstunde wert.

    Was fehlt: ein urig-gemütliches Café, weinbewachsen oder mit Grünpflanzen abgetrennt, wo man sich hinsetzen und die Stadt anschauen kann. Nach knapp zwei Stunden und 2,26 Kilometern waren wir durch. Kurz vor zwei zurück am Auto, auf dem Rückweg noch ein Stopp in der Bergkäserei Zillertal, und dabei fing es leicht an zu regnen. Auf der Fahrt zur Wohnung wurde daraus ein Guss, bei dem die Scheibenwischer nicht mehr hinterherkamen.

    Tag 7 — Bauernmarkt, Sommerrodelbahn und der Ahorn im Regen

    Freitagvormittag, kurz nach halb elf, standen wir auf dem Zillertaler Bauernmarkt in Mayrhofen. Der Markt ist klein, die Stände sind bunt gemischt: selbstgemachte Seifen, Obstbrände, Holzbrettchen und Holzlöffel, Fruchtaufstriche, Weine, Käse, Wurst, selbstgefertigter Schmuck. Ich kaufe Lebensmittel gern direkt beim Erzeuger. Nicht wegen des Preises, sondern wegen der zwei Minuten Gespräch und der Geschichte, die zum Produkt gehört. Klare Empfehlung, wenn ihr freitags im Tal seid.

    Die Einkäufe haben wir im Parkhaus Mitte deponiert und sind danach noch durch den Ort gebummelt, mit einem Espresso und einem Tiramisu als Abschluss. Mayrhofen ist ein seltsamer Ort, wenn man die Zahlen kennt: knapp 4.000 Einwohner, und je nach Zählweise zwischen 1,3 und 2,1 Millionen Übernachtungen im Jahr. Das merkt man dem Ortsbild an. Ein Bergdorf ist das längst nicht mehr.

    Nachmittags sind wir zum Arena Coaster gefahren, der Sommerrodelbahn an der Talstation der Rosenalmbahn in Zell am Ziller, rund acht Kilometer von Ramsau. Ab den Schließfächern haben wir gut eine Stunde angestanden, es ging nur schleppend voran. Wer also überlegt, gleich einen Fünferblock zu kaufen: Man stellt sich vor jeder Fahrt neu an. Die Abfahrt selbst fühlte sich nach fünf Minuten an, der Aushang nennt sechs bis sieben. 1.450 Meter Gesamtlänge, 140 Höhenmeter, an der höchsten Stelle neun Meter über dem Boden. Eine Einzelfahrt kostet acht Euro für Erwachsene und 5,30 für Kinder.

    Kaum waren wir unten, fing es an zu regnen. Auf der Rückfahrt nach Ramsau wurde daraus ein Gewitter, im Tal hing der Nebel so tief, dass vom Ahorn nichts mehr zu sehen war. Und genau da wollten wir um 18 Uhr hoch, mit der SonnenUntergangsGondel.

    Wir sind trotzdem gefahren, und das war die richtige Entscheidung. Die Tickets gibt es online, sie sind rund zehn Euro günstiger als die reguläre Auffahrt: 25 Euro pro Person für Berg- und Talfahrt. Der Parkplatz liegt direkt an der Talstation, an diesem Abend war er fast leer. Die Ahornbahn ist die größte Pendelbahn Österreichs, 160 Personen passen in eine Kabine, 40 Quadratmeter Grundfläche. Sie überwindet 1.300 Höhenmeter auf 3.045 Metern schräger Länge, mit zehn Metern pro Sekunde, in gut sechseinhalb Minuten. Und auf dieser ganzen Strecke stehen nur zwei Stützen. Man schwebt aus der Talstation heraus, und dann ist unter einem sehr lange nichts mehr. Technisch ein Meisterwerk.

    Oben, auf knapp 2.000 Metern unterhalb der 2.973 Meter hohen Ahornspitze, waren außer uns zwei Familien. Sonst niemand. Die Wirtschaften hatten schon geschlossen. Die Kühe waren gut zu hören, die Glocken kamen von irgendwo aus dem Nebel, dazu nieselte es zwischendurch. Klingt nach einem verpatzten Abend, war aber das Gegenteil: Den Blick einmal ganz ohne Menschenmassen über das Tal schweifen zu lassen, ist etwas, das man bei schönem Wetter dort oben nie bekommt.

    Die GreifenBrücke ist neu, die stand vor vier Jahren bei unserem letzten Besuch noch nicht da. Über 70 Meter lang, und an diesem Abend gehörte sie uns allein.

    Mayrhofen war unten im Tal gut zu erkennen, klein und geordnet zwischen den Hängen. Und dann hat der Himmel am Horizont doch noch aufgemacht, gerade so weit, dass man die Sonne erahnen konnte. Ein gelber Streifen über den Bergkämmen, mehr nicht. Genug, um sich vorzustellen, wie das hier bei klarer Sicht aussieht.

    Wenn ihr das auch vorhabt: kurzfristig buchen. Bei gutem Wetter ist es dort oben noch einmal deutlich beeindruckender, und zwei, drei Tage vorher weiß man, ob sich das ausgeht.